Eishockeyticker

Warum Christian Wohlwend ein grosser Trainer wird

Die U20 Nationalmannschaft hat mit Christian Wohlwend einen charismatischen, intellektuellen und emotionalen Coach. Ein Coach der weiss wie zu motivieren und ein Coach der einen Plan in seine Details zerlegen und umzusetzen weis. Ein Porträt über einen neuen Stern am Eishockeyhimmel der Schweiz.

Es gab einen Traum. Einen Traum vom Halbfinale. Dieser Traum hätte an seinem Geburtstag stattfinden sollen. Am 4. Januar, an seinem Geburtstag, wollte er mit seinem Team in Montreal einlaufen. Und so die Schweiz wieder einmal in einem Halbfinal betreuen. Wie dies zuletzt Köbi Kölliker 2010 in Saskatoon gelang. Damals gewannen die Schweizer ebenfalls einen dramatischen Viertelfinal gegen Russland. Nino Niederreiter war damals der Schweizer welcher am meisten zu überzeugen vermochte. Niederreiter wurde im folgenden Sommer im Draft an der fünften Position gezogen und landete bei den New York Islanders. Am Ende fand er dann sein Glück bei der Minnesota Wild. Dort ist er einer der Führungsspieler geworden. 

In diesem Jahr waren die Vorzeichen nicht besser als vor sieben Jahren. Niemand erwartete etwas von diesem Team. Schweizweit sprachen die Medien davon, dass die Junioren vor dem Abstieg stünden. Wohlwend genoss von Beginn an wenig Kredit, dieses Team aus dem Abstiegsstrudel zu halten. In einer Verrückten Gruppe A, in welcher der damalige Weltmeister Finnland in die Abstiegsrunde musste, sich die Teams, ausser Schweden, gegenseitig die Punkte wegnahmen, gelang ihm der Einzug in die Viertelfinals. Mit Siegen in der Verlängerung (Tschechien) und nach Penaltyschiessen (Dänemark) standen die Schweizer in diesem. Die Schweizer zeigten zusammen mit einem entfesselt aufspielenden Nico Hischier, wozu sie fähig gewesen wären.  In diesem dramatischen Viertelfinale gegen die USA, welches lange Zeit an das Spiel 2010 in Saskatoon gegen Russland erinnerte, unterlag die Schweiz am Ende knapp mit 3:2.  

Wohlwend – Wer?

 

Wer ist dieser Christian Wohlwend? Wo kommt er her? Was treibt ihn an? Wie geht er mit den Junioren um? Und wie erlebte ich ihn, als ich mit ihm über die Spiele an der Weltmeisterschaft sprach? Und wieso blieb dieser Trainer bisher immer unter dem Radar der Eishockey-Schweiz?  Suche nach diesen Antworten fiel nicht einfach. Denn wer über Wohlwend spricht, hört selten negatives. Und wenn, dann fügt der Entsprechende meistens an, dass dies Kritik auf hohem Niveau sei. 

Der Kanada Schweizer ist der Eishockeyschweiz eher als Elitejunioren-Trainer bekannt. Seine Karriere begann der Stürmer in St. Moritz. Der grosse Durchbruch auf Nationaler Ebene blieb ihm indes verwehrt. In der höchsten Spielklasse bestritt er 47 Spiele. Die Mehrheit beim SC Rapperswil-Jona. Weitere Stopps auf seiner Reise als Spieler durch die Schweizer Eishockeylandschaft waren Kloten, Thurgau, GC/Küsnacht, Dübendorf, Frauenfeld und Chur. Die letzte Station bestritt Wohlwend 2008 in Wallisellen. In 267 Spielen kam der Stürmer zu 200 Punkten. 

Früher Einstieg ins Trainerbusiness

Den Einstieg in das Trainerbusiness unternahm er als 30-Jähriger in Thurgau. Dort übernahm er die Elite B Mannschaft. Zugleich war Wohlwend auch der Teammanager der ersten Mannschaft. Über Wallisellen, Bülach und Lugano führte ihn der Weg zum Trainer der Juniorennationalmannschaft. Bereits 2012/13 konnte er seine ersten internationalen Erfahrungen sammeln. Als Assistenz Coach mit der U19 kam er das erste Mal mit einer Juniorenauswahl auf internationaler Ebene in Kontakt. In der Folge assistierte Wohlwend weitere zwei Jahre in der U19. 

Auf die Saison 14/15 wurde Wohlwend Assistenztrainer von John Fust, welcher die U20-Juniorennationalmannschaft zwei Jahre führte. Zusammen mit Fust absolvierte er die Weltmeisterschaften in Toronto und in Helsinki. Bei diesen Auftritten vermochte die Juniorennationalmannschaft indes unter der Führung von Fust nicht zu überzeugen. Beide Male mussten die Schweizer in die Abstiegsrunde und konnten sich dort retten. Aus dem Umfeld der Mannschaft war Teilweise zu vernehmen, dass die Team-Chemie in diesen beiden Jahren nicht die Beste gewesen sei, dies jedoch nicht an Wohlwend lag.

Thurgau - Juniorennationaltrainer

Auf dieses Jahr hätte der Nationaltrainer den Job als Headcoach bei Hockey Thurgau annehmen sollen. Es kam aber nicht so weit. Zuvor hatte sich Wohlwend als Juniorentrainer bei Swiss Hockey beworben. In der Folge setzte er sich gegen Bewerber wie Lars Leuenberger durch. Ab Juni übernahm er das Amt des Headcoaches der U20 vollamtlich. 

In der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften war Christian Wohlwend auch am Ivan Hlinka Turnier und beobachtete die Spieler. Einige davon nahm er in diesem Jahr an die Weltmeisterschaften in Montreal mit. Und hatte mit ihnen Erfolg.

Fordern und fördern

Von den Spielern wird Wohlwend als ein Trainer empfunden, welcher viel von ihnen verlangt. Er fordert und fördert die jungen Spieler und übergibt ihnen Verantwortung. Ein Spieler beschrieb ihn als temperamentvoll und motivierend. Seine Art das Team zu führen, sei motivierend, Kritik an Spielern immer sachlich und aufbauend. Ein Spieler sagte zu mir, dass Wohlwend ihm auch in schweren Zeiten, wenn es nicht laufe, ein aufbauendes Wort für ihn. 

Spricht man nach dem Spiel mit Wohlwend, so lässt einem das Gefühl nicht los, dass er das Spiel so in sich aufgesogen habe, dass er zu jeder Frage die entsprechende Analyse bereit hat. Oft liefert er gleich Korrekturen für das nächste Spiel mit, streicht die Schwächen seiner Mannschaft heraus, bringt die Ideen für das nächste Spiel auf den Tisch. 

Wetten dass…..???

Mit Christian Wohlwend hat die Juniorennationalmannschaft einen Trainer, der erst am Anfange einer langen und vielleicht wundervollen Karriere steht. Dass er ein grosser Trainer sein kann, das hat er in Montreal gezeigt. Ein neuer Trainer Stern ist im Hockeyhimmel aufgegangen. Ein Stern, der noch lange Jahre mit der Nationalmannschaft scheinen kann.

Und ich wette mit jedem der diesen Bericht liest, dass wir nächstes Jahr in Buffalo ein Team sehen, dass dem Junioren Eishockey der Schweiz, wie gerade eben in Montreal, wieder einen Schub nach vorne geben wird. Und am Ende wird Wohlwend mit dem ersten Schweizer Nummer 1 Draft Pick schmunzelnd an der Bande stehen. Es muss ja nicht gerade der Weltmeistertitel sein. Aber eine Medaille wird es sein. Wer hält gegen diese gewagte Wette?